Bischof Franz Kamphaus

„Ich möchte nach Kräften daran arbeiten, dass das unterscheidende ursprüngliche Profil des Christentums stärker zum Vorschein kommt. Nur so können wir auch unserem Auftrag in der Welt gerecht werden. Wir brauchen nicht zu wiederholen, was andere sagen und machen. Das wäre langweilig. Das Spannendste bei uns ist und bleibt Jesus Christus.“ (Bischof Dr. Franz Kamphaus)

Lebenslauf

Dr. Franz Kamphaus war der elfte Bischof von Limburg. Geboren wurde er am 2. Februar 1932 als jüngstes von fünf Kindern in Lüdinghausen, Münsterland. Seine Eltern besaßen einen Bauernhof. Aus dem Holz einer alten Eiche dieses Hofes sind Kreuz und Stab des Bischofs geschnitzt. Nach dem Abitur am Collegium Augustinianum Gaesdonck im Jahr 1953 studierte er Katholische Theologie und Philosophie in Münster und München. Am 21. Februar 1959 empfing er durch Bischof Michael Keller die Priesterweihe. 1959 - 1964 war Franz Kamphaus Kaplan in Münster (Pfarrei Hl. Geist) und Vikar und Religionslehrer in Ahaus/Westfalen (Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt). 1968 wurde er mit der Arbeit „Von der Exegese zur Predigt“ an der Universität Münster promoviert. Bereits seit 1964 war er verantwortlich für die Predigtausbildung des Bistums Münster und ab 1971 Leiter des Referates Priesterfortbildung. 1972 wurde er zum Wissenschaftlichen Rat und Professor für Pastoraltheologie/Homiletik (= Predigtlehre) an der Universität Münster berufen und ein Jahr später durch Bischof Tenhumberg zum Regens des Priesterseminars Münster ernannt. Papst Johannes Paul II. berief ihn am 3. Mai 1982 zum Bischof von Limburg, am 13. Juni 1982 wurde er durch Joseph Kardinal Höffner zum Bischof von Limburg geweiht. Sein Bischofsamt stellte er unter den Wahlspruch »Evangelizare pauperibus« (»Den Armen das Evangelium verkünden«). Am 10. Januar 2004 wurde ihm in der Frankfurter Paulskirche der Ignatz-Bubis-Preis verliehen.

Seit September 1999 leitete Bischof Kamphaus die Kommission „Weltkirche“ der Deutschen Bischofskonferenz und gehörte deren Wissenschaftlicher Arbeitsgruppe an. Davor war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission für das Bischöfliche Hilfswerk Misereor. Von 1986 bis 1991war er „Jugendbischof“, davor Vorsitzender der Kommission Justitia et Pax.

Zu seinem 75. Geburtstag, am 2. Februar 2007, hat Bischof Kamphaus, gemäß dem kirchlichen Recht, dem Papst seinen Rücktritt vom Bischofsamt angeboten. Papst Benedikt XVI. nahm das Gesuch zu diesem Datum an.

Schwerpunkte seiner Arbeit

Bistum - Bischof Kamphaus setzte seine Zeit vor allem dafür ein, die Pfarreien seines Bistums zu besuchen. Er spendete das Sakrament der Firmung und führte anlässlich der Visitation Gespräche mit allen Priestern, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Mitgliedern der synodalen Gremien (Pfarrgemeinderäte). Mittlerweile war er mindestens dreimal in jeder Pfarrei zur Visitation und kennt damit das Bistum wie kaum ein Zweiter.

Eine Welt - Im Bistum Limburg wurde durch die Initiative von Bischof Kamphaus das Engagement für die Partnerkirchen in der so genannten Dritten Welt erheblich ausgebaut. So war das Bistum Limburg zusammen mit Misereor wesentlich an der Finanzierung der Katholischen Universität für Zentralafrika beteiligt, die am 7. Dezember 1991 in Yaounde/Kamerun eingeweiht wurde. In den Sparprozessen seit 1992 konnte Bischof Kamphaus erreichen, dass es im Bereich Weltkirche keinerlei Kürzungen gab. Es wurde im Gegenteil ein Fonds eingerichtet, der die Finanzierung der weltkirchlichen Partnerschaften langfristig unabhängig vom Kirchensteueraufkommen sichert.

Globalisierung - Immer wieder hatte der Limburger Bischof darauf aufmerksam gemacht, dass eine Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme nur möglich ist, wenn Freiheit, Solidarität und Menschenwürde global gelten. Mit der wirtschaftlichen Globalisierung müsse die globale Solidarität einhergehen. Im Rahmen der Kampagne „Erlassjahr 2000“ ist der Bischof seit 1998 wiederholt für größere Anstrengungen zur Entschuldung der armen Staaten eingetreten.

Krieg und Frieden – In den Golfkonflikten lehnte Bischof Kamphaus den Krieg als Mittel zur Lösung der Probleme ausdrücklich ab. Während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien besuchte er mehrfach Sarajevo und später den Kosovo. Das Bistum unterstützt unter anderem die katholischen Europaschulen, in denen Kinder aus allen Volksgruppen Bosniens gemeinsam lernen. Der Bischöfliche Beauftragte für Bosnien und den Kosovo, Dr. Ernst Leuninger, führt die Initiative des Bischofs bis heute weiter und leistet wirkungsvolle Hilfe beim Wiederaufbau von Wohnungen und kirchlichen Einrichtungen.

Flüchtlinge - Über die Grenzen seines Bistums hinaus bekannt wurde Bischof Kamphaus durch sein Eintreten für die Rechte der Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland seit 1986. Damals stellte er eine Wohnung im Bischofshaus einer eritreischen Flüchtlingsfamilie zur Verfügung, um damit auch Gemeinden zu ermutigen, Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen.

Auch seine Haltung im Streit um den Verbleib in der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung machte ihn bundesweit bekannt. Zum Ersten Advent 1998 rief Bischof Kamphaus die „Aktion Konfliktberatung“ ins Leben, mit der Frauen in Schwangerschaftskonflikten durch ehrenamtliche Hilfe und Spenden unterstützt werden.

Bioethik und Gentechnik - Seit Frühjahr 2001 setzte sich Bischof Kamphaus in Vorträgen und Diskussionen verstärkt mit dem Themenfeld Bioethik und Gentechnologie auseinander. Im Zusammenhang mit den politischen Debatten wandte er sich u. a. an die Bundestagsabgeordneten seines Bistums und machte darauf aufmerksam, dass durch das wachsende selektive Denken die Menschenwürde verletzt werde. Im Zusammenhang der Pränataldiagnostik trat er für eine gesetzlich gesicherte umfassende psychosoziale Beratung von schwangeren Frauen ein. Die von den Dernbacher Schwestern im Januar 2002 gegründete Katharina-Kasper-Stiftung ist gerade in diesem Bereich aktiv.

Hirtenbriefe – Die Predigten und Hirtenbriefe des Bischofs von Limburg fanden weithin Beachtung. In seinen Briefen hatte er sich in den vergangenen 25 Jahren unter anderem an Kinder, Jugendliche und an die Frauen gewandt. Er hat Themen wie Taufe, Buße, Priestertum, Familie und das Zusammenleben der Generationen angesprochen. Sein Engagement für die Jugend zeigte sich in den 2005 im Bistum Limburg gegründeten Jugendkirchen in Frankfurt, Wiesbaden und Limburg.

Zukunft des Glaubens - Im Umfeld seines 20-jährigen Weihejubiläums hatte es Bischof Kamphaus als die vordringlichste Aufgabe bezeichnet, dass sich die Kirche den Veränderungen stellt, die unter anderem dazu geführt haben, dass zunehmend weniger Kinder getauft werden und die Zahl der Katholiken kontinuierlich sinkt. In einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) sagte er Anfang Juni 2002: „Ich möchte nach Kräften daran arbeiten, dass das unterscheidende ursprüngliche Profil des Christentums stärker zum Vorschein kommt. Nur so können wir auch unserem Auftrag in der Welt gerecht werden. Wir brauchen nicht zu wiederholen, was andere sagen und machen. Das wäre langweilig. Das Spannendste bei uns ist und bleibt Jesus Christus.“